Urgent
Action
UA-Nr:
UA-215/2006-2
AI-Index:
MDE 13/0019/2007
Datum:
23.02.2007
SORGE
UM SICHERHEIT / GESUNDHEITSZUSTAND / DROHENDE FOLTER UND MISSHANDLUNG / HAFT
OHNE KONTAKT ZUR AUSSENWELT / HUNGERSTREIK
Weitere
Informationen zu UA 215/06 (MDE 13/089/2006, 9. August 2006, und MDE
13/0103/2006, 20. September 2006)
Iran: Ahmad Batebi, 28 Jahre alt
Sowie:
Somaye
Bayanat, seine Ehefrau
Nach
vorliegenden Informationen erhält Ahmad Batebi im Teheraner Evin-Gefängnis
nicht die angemessene medizinische Betreuung. In den vergangenen Tagen hat er
mehrere Anfälle erlitten und war über längere Zeiträume bewusstlos. Amnesty
international befürchtet, dass er in Lebensgefahr ist. In einem Telefonat mit
seinem Vater am 22. Februar 2007 soll Ahmad Batebi erklärt haben, dass die
Gefängnisbehörden sich nicht um seine Gesundheit scherten, und wenn er sterben
sollte, sein Vater "ein Fest zur Feier meines Lebens und keine
Trauerfeier" begehen solle.
Die
Ehefrau von Ahmad Batebi, Somaye Bayanat, wurde am 21. Februar 2007 vor ihrem
Haus in Teheran festgenommen. Da über ihren Aufenthaltsort nichts bekannt ist,
befürchtet amnesty international, dass sie aufgrund ihrer Beziehung zu dem
Inhaftierten eingeschüchtert, schikaniert und misshandelt werden könnte.
Ahmad
Batebi war nach seiner ersten Festnahme im Zusammenhang mit einem
Studentenprotest im Jahr 1999 in der Haft brutal geschlagen worden. Seitdem hat
er mehr als sechs Jahre unter extrem harten Haftbedingungen im Gefängnis
verbracht, wodurch sich sein Gesundheitszustand stetig verschlechtert hat. Er
leidet an einer Reihe von Gesundheitsbeschwerden, die auf die ihm bei seiner
vorangegangenen Haftperiode zugefügten Folterungen und Misshandlungen
zurückzuführen sind. Ihm wird ebenso wie anderen Häftlingen die medizinische
Behandlung erst sehr spät gewährt oder in einigen Fällen gänzlich verweigert.
Dem Vernehmen nach erlitt Ahmad Batebi am 16 Februar 2007 mehrere Anfälle und
war während des Tages mindestens drei Stunden lang ohne Bewusstsein. Seine
Mithäftlinge brachten ihn daraufhin Berichten zufolge auf die Krankenstation
des Gefängnisses. Nach bislang unbestätigten Meldungen erlitt Ahmad Batebi
einen Schlaganfall. Am 18. Februar 2007 erlitt er dem Vernehmen nach einen
erneuten Anfall und wurde in das Krankenhaus "Bimarestan-e Shohada"
im Norden Teherans gebracht, wo man eine Kernspintomographie vernohm, deren Ergebnisse
amnesty international allerdings nicht vorliegen. Am 19. Februar 2006 wurde er
ins Gefängnis zurückgebracht, obwohl die Ärzte im Krankenhaus eine fortgesetzte
stationäre Behandlung für erforderlich hielten und erklärt hatten, dass sein
Zustand einen Verlegung zurück ins Gefängnis nicht zulasse.
Laut
einem Pressebericht vom 20. Februar 2007 sollen Vertreter der Gefängnisbehörden
erklärt haben, dass Ahmad Batebi aufgrund "der von seinen Freunden
außerhalb des Gefängnisses erzeugten Aufmerksamkeit" in das Evin-Gefängnis
zurückverlegt worden sei. Nach Beschwerden seines Vaters wurde Ahmad Batebi mit
gefesselten Händen und Füßen erneut ins Krankenhaus "Bimarestan-e
Shohada" gebracht, von dort aber später in ein anderes Hospital verlegt.
Der Direktor des "Birmarestan-e Shohada"-Krankenhauses gab gegenüber
Ahmad Batebis Vater an, er habe die Anweisung erhalten, den Gefangenen nicht
mehr in seinem Krankenhaus zu behandeln. Später verlegte man Ahmad Batebi
erneut ins Gefängnis. Derzeit befindet er sich dort Angaben zufolge auf der
Krankenstation unter Beobachtung. Während ein Freund von Ahmad Batebi erklärt
haben soll, die beiden Gehirnhälften des Gefangenen wiesen Störungen auf, gab
ein Justizsprecher am 20. Februar bekannt, sein Zustand sei zufrieden stellend.
Es
besteht die Gefahr, dass Ahmad Batebi weitere Anfälle erleidet. Sofern er nicht
die erforderliche medizinische Versorgung erhält. Da die Gefängnisbehörden die
Gesundheit der Insassen selbst bei akuter Lebensgefahr in grober Weise
vernachlässigen, fürchtet amnesty international, dass Ahmad Batebis Leben in
ernster Gefahr ist.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Ahmad
Batebi war zum ersten Mal wegen seiner Beteiligung an der unter der Bezeichnung
"Demonstratioen vom 18. Tir" bekanntgewordenen Studentenprotestkundgebung
in Teheran im Jahr 1999 festgenommen worden, gegen die die Sicherheitskräfte
damals mit extremer Härte vorgingen. Er und weitere Gefangene wurden brutal
misshandelt und gefoltert. Zusammen mit vier weiteren Angeklagten verurteilte
ein Revolutionsgericht Ahmad Batebi in einem unfairen und geheimen Verfahren
wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit zum Tode. Später wurden die
Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt. In der Berufungsinstanz Anfang 2000
reduzierte man das Strafmaß von Ahmad Batebi auf zehn Jahre, und gegen März
2006 durfte er vorübergehend das Gefängnis verlassen, um zu heiraten. Der
Hafturlaub wurde dann verlängert, aber Ahmad Batebi kehrte nach Ablauf der
Frist nicht ins Gefängnis zurück. Am 27. Juli 2006 kam er erneut in Haft und wurde
in die Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses gebracht, die dem
Geheimdienstministerium untersteht. Im August 2006 trat er aus Protest gegen
seine erneute Inhaftierung in einen Hungerstreik, den er jedoch wieder
einstellte, nachdem ihm Familienbesuche gestattet wurden. Während seines
Hungerstreiks schrieb sein Arzt einen offenen Brief an die Gefängnisbehörden,
in dem er erläuterte, dass sein Patient fachärztlich betreut werden und zu
diesem Zweck aus der Haft entlassen werden müsse, weil er sonst sterben könnte.
Im Dezember 2006 äußerte sich der Vater von Ahmad Batebi sehr besorgt über den
Gesundheitszustand seines Sohnes und erkundigte sich, warum er immer noch in
der Abteilung 209 festgehalten werde, obwohl dort normalerweise nur Gefangene
untergebracht sind, die noch verhört werden. Er brachte seine Befürchtung zum
Ausdruck, dass man seinem Sohn diesmal etwas im Gefängnis antun und er sterben
könnte. Sein Sohn habe ihm zu verstehen gegeben, dass er dringend Hilfe
brauche, aber er wisse nicht, was er tun könne.
Akbar
Mohammadi, ein weiterer der "18 Tir"-Stundenten, starb unter bislang
ungeklärten Umständen im Juli 2006 in der Haft. Auch bei ihm war die
medizinische Versorgung nur mit Verzögerungen oder gar nicht erfolgt. Sein
Rechtsanwalt hat eine Untersuchung der Todesursache beantragt.
EMPFOHLENE
AKTIONEN: Schreiben Sie bitte E-Mails, Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen
Sie
· sich um die Sicherheit und den
Gesundheitszustand des im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftierten Ahmad Batebi
äußerst besorgt zeigen;
· fordern, dass die Behörden ihm
umgehend die dringend erforderlichen medizinische Versorgung gestatten,
einschließlich der Erlaubnis, ihn außerhalb des Gefängnisses behandeln zu
lassen, wie es sein behandelnder Arzt empfohlen hat und es den Bestimmungen des
§ 291 der iranischen Strafprozessordnung entspricht, wonach Gerichte befugt
sind, die Behandlung von Häftlingen außerhalb der Haftanstalt anzuordnen;
· darauf dringen, dass Ahmad Batebi
umgehend regelmäßigen Zugang zu seinen Familienangehörigen und Rechtsanwälten
erhält;
· die Behörden auffordern, Ahmad
Batebis Fall und alle übrigen Fälle, in den Personen in unfairen
Gerichtsverfahren zu Haftstrafen verurteilt wurden, einer gründlichen
juristischen Überprüfung zu unterziehen;
· fordern, dass der Verbleib von
Somaye Bayanat, der Ehefrau von Ahmad Batebi, geklärt wird, und sie Zugang zu
ihrer Familie, einem Rechtsbeistand und gegebenenfalls zu medizinischer
Versorgung erhält.
APPELLE
AN:
His
Excellency Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei, Leader of the Islamic Republic, The
Office of the Supreme Leader, Shoahada Street, Qom, IRAN
(Religionsführer
- korrekte englische Anrede: Your Excellency)
E-Mail:
info@leader.ir; istiftaa@wilayah.org
Director,
Evin Prison, Chamran Highway, Near Hotel Azadi, Dasht-e Behesht Street, Tehran,
IRAN
(Direktor
des Evin-Gefängnisses - korrekte englische Anrede: Dear Sir)
Telefax:
(00 98) 21 240 3910
E-Mail:
iranprobe@iranprobe.com
KOPIEN
AN:
His
Excellency Mahmoud Ahmadinejad, The Presidency, Palestine Avenue, Azerbaijan
Intersection, Tehran, IRAN (Staatspräsident)
E-Mail:
dr-ahmadinejad@president.ir oder über www.president.ir/email
Ayatollah
Mahmoud Hashemi Shahroudi, Head of the Judiciary, Ministry of Justice
Park-e
Shahr, Tehran, IRAN
(Oberste
Justizautorität - korrekte Anrede: Your Excellency)
Telefax:
(00 98) 21 3390 4986
E-Mail:
info@dadgostary-tehran.ir ("For the attention of Ayatollah
Shahroudi")
Botschaft
der Islamischen Republik Iran
S.E.
Herrn Mohammad Mehdi Akhondzadeh Basti
Podbielskiallee
65-67
14195
Berlin
Telefax:
030-8435 3535
E-Mail:
iran.botschaft@t-online.de
Bitte
schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch,
Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions
schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. April 2007
keine Appelle mehr zu verschicken.
amnesty
international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., 53108 Bonn
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