Côte d'Ivoire - Elfenbeinküste
Kurze Einführung
Côte d'Ivoire
(CI)
gehört zu den westafrikanischen Ländern und ist
ehemaliges Kolonialland Frankreichs. Seine Seehäfen
waren wichtig für Länder, die keinen Zugang zum Meer
haben. So wurden die per Schiff angelieferten Waren
durch das Land nach Burkina Faso oder Mali
transportiert.
Vor
1999 wurde die Einwohnerzahl mit 16 Millionen angegeben,
von denen 25% aus den umliegenden Ländern kamen. Allein
20 000 Franzosen lebten, zum Teil seit vielen Jahren,
dort.
Ab
2001 mussten viele von ihnen ausreisen, da sich der bürgerkriegsähnliche
Konflikt verschärfte und gegen Ausländer und Vertreter
des ehemaligen Koloniallandes richtete.
Nach
seiner Unabhängigkeit von Frankreich Anfang des Jahres
1961 galt das Land als politisch und wirtschaftlich
stabil. Diamanten, Gold, Holz und Erdöl sind
Ressourcen, die international vermarktet werden. Die Offshore -Erdölbohrungen haben zu großen
Umweltveränderungen geführt. Eine Ölpest
im März 2006 hat die skrupellosen Geschäftsbeziehungen
zu US-amerikanischen Ölgesellschaften offensichtlich
gemacht.
C.I.
wird als größter Kakaoexporteur der Welt angesehen,
auch Kaffee und Baumwolle sind profitable Exportgüter.
Dabei kann die wirtschaftliche Abhängigkeit von
Frankreich kaum unterschätzt werden: transnationale
Konzerne wie Bouygues und Bolloré stehen für Wasser-
und Energiewirtschaft, Transportwesen und
Telekommunikation sind weiterhin fest in französischer
Hand. Im April 2008 wurde in Abidjan ein großer
Container-Hafenterminal der Bolloré-Gruppe eingeweiht.
Das
erklärt auch, warum noch immer französische Soldaten in C.I. stationiert sind. Zusammen mit UN Soldaten
versuchen sie, Friedensvereinbarungen umzusetzen: Im
September 2001 hatten sich unzufriedene Soldaten des
staatlichen Militärs nach Norden abgesetzt, um unter
Anführung von Guillaume Soro die Politik des Präsidenten
Laurent Gbagbo zu bekämpfen. Das Land wurde geteilt: im
Norden regieren der RDR und der ehemalige
Präsidentschaftskandidat Ouattara und Rebellenführer
wie G. Soro, im Süden herrscht
die FPI mit Gbagbo. Das ökonomische Gefälle
zwischen den beiden Regionen, Machtansprüche
verschiedener Ethnien, Interessen internationaler
Waffenverkäufer, Korruption, Kindersoldaten aus Liberia
und Sierre Leone waren Ursachen für diesen Konflikt,
der zeitweilig zu einem Völkermord wie in Ruanda auszuarten drohte. Das
internationale Interesse an diesem Krieg war
unverkennbar. In
Côte d'Ivoire
geht es auch um Ressourcen. Gewinne aus
dem Kakaogeschäft werden in Waffen umgesetzt.*
Mit jedem weiteren Jahr, in dem Präsident Gbagbo
regiert, wird seine Macht gefestigt, da er und seine
Parteifreunde sich so den Zugriff auf Einnahmen aus Öl-
und Kakaoindustrie sichern.
Am
4.März 2007 wurde in Burkina Faso ein Abkommen zwischen Laurent Gbagbo
und Guillaume Soro unterzeichnet: Gbagbo bleibt Präsident. Der
bisherige Ministerpräsident Banny wurde entlassen und
durch Guillaume Soro ersetzt. Es wurden Präsidialwahlen
vereinbart, deren Verwirklichung
aber mehrmals verschoben wurde. (Auch der
Wahltermin am 29.11.09 wurde nicht eingehalten; seit dem
Jahr 2000 ist
es das sechste Mal! Auf den Wahllisten fehlten dieses
Mal ca. 1 Mill. der registrierten Wähler von ca. 6
Mill. wahlberechtigten Bürgern. Allerdings gab es noch
nie freie Wahlen in dem Land.)
Ende
Juni 07 wurde auf das Flugzeug mit
Guillaume Soro aus dem Norden des Landes ein
Attentat verübt, bei dem mehrere seiner Begleiter ums
Leben kamen. Über die Hintergründe gibt es in der
Presse keine Informationen! Allerdings wird hinter
vorgehaltener Hand von schwerwiegenden Differenzen
zwischen dem Präsidenten und seinem Ministerpräsidenten
berichtet. Er ist weiterhin als Premierminister im Amt.
Die Militärführer
der Forces Nouvelles kontrollieren weiterhin den
Norden des Landes, eine Zusammenlegung mit der Armee des
Südens ist in der Diskussion, hat aber bisher nicht
stattgefunden.
* Quelle : www.globalwitness.org
hot chocolate - how cocoa fuelled the conflict in
Côte d'Ivoire
Stand
3.1.2010
(Der
obige
Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird routinemäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.)
Öffentliche
Erklärung
AFR
31/001/2010 vom
22. Februar 2010
Côte d'Ivoire:
Amnesty International
ist beunruhigt über Gewalt und Hassaufrufe im
Zusammenhang mit den Wahlen
Nachdem die Präsidentschaftswahl immer
wieder verschoben wurde, erlebt die Elfenbeinküste eine
Welle von Gewalt, die das Land ins Chaos stürzen könnte.
„Alles, was
in der Vergangenheit zu schweren Übergriffen auf die
Menschenrechte geführt hat,
ist wieder aufgetreten“ erklärte heute
Véronique Aubert, die zuständige Referentin für
Afrika von Amnesty International. „In einer
Situation, in der keiner der wichtigsten ivorischen
Politiker bereit zu sein scheint, das Schlimmste zu
vermeiden, muss die internationale Gemeinschaft,
besonders die UNO und als Vermittler in der ivorischen
Krise, der Präsident von Burkina Faso, Blaise Compaoré,
Druck auf die ivorischen Politiker ausüben, um die
Menschenrechte als vorrangig zu beachten!“ Die
Oppositionsparteien beklagen, dass Zehntausende von Wählern
als Ausländer eingestuft wurden, allein auf Grund ihres
islamischen Namens. So haben in Divo , einer Stadt im Südwesten
des Landes, 200 km von Abidjan entfernt, mehrere tausend
Menschen gegen die Entscheidung des Gerichtes
demonstriert, das ihre Namen aus der Wahlliste entfernen
ließ. Ordnungskräfte haben geschossen, um die
Demonstranten zu zerstreuen; es gab acht Verletzte,
mehrere durch Kugeln!
Die Gefolgsleute
von Präsident Gbagbo haben ihrerseits Betrugsversuche
angemeldet: es sollen
400 000 Namen
zur Wahlliste gefügt worden sein, deren
Nationalität nicht eindeutig geklärt werden konnte.
Wegen des Betrugsverdachtes hat Präsident Gbagbo am 12.
Februar 2010, sowohl die Wahlkommission (CEI) als auch
die Regierung aufgelöst.
Nach dieser
Entscheidung haben verschiedene Oppositionsparteien ihre
Mitglieder aufgerufen, „sich mit allen Mitteln
der Diktatur Laurent Gbagbos zu widersetzen“. Das führte
zu Gewalttätigkeiten und Vandalismus gegen Lokale und
den Besitz der Präsidentenpartei
(FPI). Die Ordnungskräfte haben mehrere
Demonstrationen in Gagnoa, im Westen des Landes, unterdrückt
und mindestens fünf Menschen erschossen, als sie gegen
die Entscheidung zur Auflösung von Regierung und
Wahlkommission demonstrierten.
Ebenso
beunruhigend sind für Amnesty International die
fremdenfeindlichen Aktivitäten durch selbsternannte
Gbagbo-freundliche Partisanen. Sie haben zum Widerstand
gegen „Ausländer“
aufgerufen, die sich in die Wahllisten aufnehmen lassen
wollten. So haben in Divo dem Präsidenten treue
Rechtsanwälte erklärt,
dass „ die provisorische Wahlliste befallen sei und
mit allen Mitteln desinfiziert werden müsse.“
„Dieses
fremdenfeindliche Gerede, das oftmals von der Ideologie
der Ivorität belebt wird, muss beendet werden, denn es
hat zur Teilung der Elfenbeinküste geführt und ist
seit Anfang der Krise von 2002 Hauptursache für
Menschenrechtsverletzungen,“ hat Véronique Aubert
heute ausgeführt. Der Staatschef muss deutlich machen,
dass Hassaufrufe, wie sie schon häufig von den
Vereinten Nationen angeprangert wurden, zu unterbinden
sind.
Beunruhigend für
Amnesty International ist auch die Entscheidung der
ivorischen Institution zur Regulierung der Medien vom
22. Februar 2010: sie besagt, dass die Fernsehkette
France 24 Sendeverbot
hat „weil sie aktuelle, politische Informationen
nicht professionell bearbeitet hat.“
Allgemeine
Informationen
Die Präsidentschaftswahlen
wurden seit 2005 bereits fünfmal verschoben und sollen
im Jahr 2010 stattfinden. Die Krise , die durch den
Aufstand in der Armee im September 2002 entstanden ist,
muss beendet werden, denn sie hat zur Teilung des Landes
in ein von Gbagbo-freundlichen Partisanen im Süden
kontrolliertes Gebiet und
einer Region
im Norden, die den Forces Nouvelles unterliegt,
geführt. Die Wahlkommission war von den Vereinten
Nationen und dem Vermittler in der ivorischen Krise, dem
Präsident Compaoré aus Burkina Faso, gegründet
worden; sie hatte eine Wahlliste ausgearbeitet.
Nach einigen
Wochen der Polemik, jeder beschuldigte die gegnerischen
Partein des Betruges, hat Präsident Gbagbo am 12.2.2010
Regierung und Wahlkommission (CEI) aufgelöst.
Seinen
Premierminister, Guillaune Soro, den Generalsekretär
der Forces Nouvelles, hat er wieder eingesetzt und ihn
gebeten, eine neue Regierung zu bilden.
Letzte
Meldungen:
Giftmüll:
die Opfer wurden entschädigt
Frat Mat -
3.3.2010: Nun sind es vollendete Tatsachen. Die Opfer
des Giftmüllskandals können aufatmen. Letzten Montag
hat der Vorgang zur Entschädigung der Opfer in Cocody
begonnen. Es sind 29624 betroffene Personen. Viele kamen
aus den Vierteln Abobo, Feh Kessé-Bingerville; es sind
ca. 2000 Opfer, Angehörige der Verteidigungs- und
Sicherheitskräfte, die einen Scheck über 750.000
Cfa für
diesen Tag erhalten haben. Vorbedingung war, dass eine
Kopie des Vertrages mit der englischen Firma Leigh und
Co mitgebracht wurde; sie mussten sich ausweisen und ein
gerichtsmedizinisches Gutachten vorweisen. Innerhalb der
nächsten drei Wochen sollen 18.000 - 20.000 Personen
entschädigt werden, wenn diese Kriterien eingehalten
wurden.
Nützliche Links:
Länderbericht von
amnesty international Deutschland zur Elfenbeinküste www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/WNachLand?OpenView&Start=1&Count=200&Expand=41#41
Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland
www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/CoteDIvoire.html
Freie Enzyklopädie Wikipedia
de.wikipedia.org/w/index.php?title=Elfenbeink%C3%BCste&redirect=no
Konrad
Adenauer Stiftung
- Präsidentschaftswahlen
2010 in Côte d´Ivoire
www.kas.de/wf/de/21.112/
- Bürgerkrieg in Côte
d'Ivoire
www.kas.de/wf/de/71.6544/